Das Sanierungsprogramm 2004 des Zürcher Regierungsrates beeinflusst unsere Volksschule in Nürensdorf. Aber wie? Diese Frage schlüssig zu beantworten, ist nicht möglich und doch ist die Schulpflege der Ansicht, dass die Bevölkerung wissen sollte, mit welchen möglichen Auswirkungen in den kommenden Jahren zu rechnen ist.
Das Volkschulamt schreibt in seiner Mitteilung vom 21. Juli 2003: "Die Sparmassnahmen mit den grössten finanziellen Folgen im Bereich der Volkschule stellt die Anhebung der durchschnittlichen Klassengrössen um 1.5 Schüler dar." Mit dem Berechungsmodell, bei dem die Anzahl Schüler der Schulgemeinde, die Anzahl Schüler pro Klasse und der Sozialindex der Schulgemeinde massgebend sind, werden die Anzahl der Stellen der Lehrkräfte der Schulgemeinde festgelegt. Eine wichtige Grösse in der Berechung ist der Sozialindex. Dieser Index ist ein Mass für die soziale Belastung der Gemeinde und wird errechnet aus den statistischen Angaben der Gemeinde zu Arbeitslosigkeit, Ausländeranteil, Sesshaftigkeit und Wohneinheiten in Einfamilienhäusern. Für Nürensdorf wurde ein Wert von 1.06 ermittelt. Im Kanton Zürich liegen die Werte zwischen 1.00 und 1.20.
Für die Schulpflege ist die Berechnung der Anzahl Stellen für die Lehrkräfte ausschliesslich basierend auf der Anzahl Schüler und den Sozialindikatoren problematisch. Diese Betrachtung ist tendenziös und sehr einseitig. Andere Faktoren wie die finanzielle Situation, die Umwelt und Lärmbelastung, die Mobilität und das lokale Engagement in der Vergangenheit für eine positive Entwicklung in Schule und Gemeinde finden keine Beachtung, sind jedoch für die gesunde Entwicklung unserer Schule ebenso wichtig.
Kurzfristig wird das Volkschulamt den Sparauftrag erfüllen. Langfristig jedoch werden die Ausgaben wieder steigen, weil die Unterrichtsqualität noch mehr sinken wird. Bei diesen Klassengrössen kann nicht mehr auf einzelne Schüler und Schülerinnen eingegangen werden. Individualisierender Unterricht wird unmöglich und der gute alte Frontalunterricht wird seine Renaissance erleben! Die heutigen Lehrmittel entsprechen aber nicht mehr dieser Unterrichtsmethode. Werden diese angepasst? Fördermassnahmen im Unterricht für schwächere oder begabtere Schüler können nicht mehr stattfinden. Diese Massnahmen müssen ausserhalb der Lektionen von spezifischen Lehrpersonen erteilt werden. Und diese Lehrpersonen werden dann von der lokalen Schulbehörde und Gemeinde angestellt und nicht von der Bildungsdirektion und darum kosten sie diese nichts!
|
|
Mit der Reduktion der Unterrichtsabteilungen steigen die Schülerzahlen pro Klasse - bei grossen Klassen im Extremfall bis zu 32 Schüler . Bei diesen grossen Klassen wird dem Klassenlehrer eine zusätzliche Stütze in der Form eines Entlastungsvikariats zur Verfügung gestellt. Die Schulzimmer in unserer Schulgemeinde sind nicht vorgesehen für den Unterricht von so grossen Klassen. Und ob ein Entlastungsvikariat die angespannte Situation der dann vollgepferchten Klassenzimmern reduzieren kann ist fraglich. Solche Entlastungsvikariate haben wir in unserer Schulgemeinde bereits eingesetzt und erprobt. Die Lehrkräfte bestätigten, dass sie dadurch nur wenig entlastet wurden, denn die Gesamtverantwortung für den Stoffplan und die Elternkontakte obliegen der klassenverantwortlichen Lehrkraft und können nicht delegiert werden.
Noch eine Bemerkung zu grossen Klassen in kleinen Räumen: Enge Platzverhältnisse leisten Aggressivität und Konflikten Vorschub. Das Tierschutzgesetz verbietet daher die Käfighaltung aus Platzgründen...
Die Reduktion der Handarbeitslektionen auf der Primarschulstufe hat zur Folge, dass in der 5. und 6. Klasse der Werkunterricht entfallen wird. Die Schülerinnen und Schüler werden in handwerklichen Tätigkeiten weniger geschult. Das ist ein Qualitätsabbau, denn die Handarbeit ist im Sinne von Kopf-Herz-Hand (ganzheitliche Schulung) ein wichtiger Beitrag zu einem erfolgreichen Unterricht. Die Einführung des Englischunterrichts wird sich zum Flop entwickeln. Einige wenige Wörter wie Yes und No werden die Schüler mündlich können. Aber die Zielsetzung des Lehrplanes mit dem schriftlichen Können wird nicht erreicht werden, weil schlicht die Zeit zum Üben fehlt. Und was wird aus dem Computerunterricht?
Fazit
Nach Ansicht der Schulbehörde ist dieses Vorgehen mit der Erhöhung der Anzahl Schüler in den Klassen, der Reduktion der Abteilungen und der Einführung der Entlastungsvikariate dem Bürger Sand in die Augen gestreut. Es ist eine Unwahrheit, wenn behauptet wird, dass dadurch die Kosten für die Bürgerinnen und Bürger reduziert werden. Die Kosten werden nicht reduziert, sondern nur verlagert, verlagert an die Gemeinden. Denn die Gemeinden bezahlen die Anpassungskosten zur Vergrösserung der Klassenzimmer, die Entlastungsvikariate und die Transporte unserer Kinder in die jeweiligen Schulhäuser. Und wer bezahlt die neuen Lehrmittel die wieder auf Frontalunterricht ausgerichtet sind.
Auf den Kindergarten hat das Sanierungsprogramm 04 keinen Einfluss. Bei der Primarschule wird es eine Reduktion von Stellen geben. In der Oberstufe ist noch alles offen, weil die Auswirkungen der Integration der Schülerinnen und Schüler aus Brütten noch nicht in den Berechungen des Volkschulamts berücksichtigt worden sind.
Für die Schulpflege Nürensdorf
Christian Spälti
|