|
Ausdruck von Kreativität, Liebe, Leidenschaft und Veränderung
Ein Bericht von Marlise Lembo-Raschle
zu den Bildern
Stefan Jakob aus Zürich, ein Töpfer aus Leidenschaft und 15 Frauen aus Nürensdorf und Umgebung.
Alle verbindet eines: die Freude am Ton, an der Möglichkeit aus einem Klumpen kühlen, feuchten, nach tiefer liegender Erde duftenden Naturmaterial etwas zu formen.
Kneten, gestalten, Ausdruck verleihen, (bleibenden) Eindruck hinterlassen, Kreativität ausleben, Ideen verwirklichen, sich frei und verstanden fühlen im Selbst.
Wie wunderbar ist es mit anzusehen, wie aus einer Menge Ton die schönsten Kunstgegenstände entstehen. Mit Liebe und Hingabe gleitet der Ton durch die Finger der fleissigen Schafferinnen. Es wird gedreht, verstrichen, gepresst, geschlagen, geschlickert.... bis zur Vollendung.
An zwei Abenden trifft man sich zum Töpfern.
Nach dem Trocknen wird das Brenngut von Vreni Stephan im Ofen der Schule Nürensdorf auf 960 Grad Celsius gebrannt. Vielen Dank Vreni für Dein Engagement!
Beim dritten Treffen finden wir uns bereits um 16:00 Uhr ein. Es ist ein ganz spezieller Anlass, denn heute erhalten unsere Gegenstände Farbe (Glasur) und werden auf eine ganz besondere Art gebrannt.
Welche Farbe passt wohl am besten zu meinem guten Stück?
Kleinere Gegenstände werden in von Stefan selbst gebauten Ochsner-Kübeln gebrannt, die wir mit Holzschitli anheizen. Grössere Objekte finden in einem Gasofen Platz.
Und nun beginnt das Abenteuer!
Das spezielle an Raku ist, dass man das Brenngut nach der Entnahme aus dem Ofen in
Sägemehl bettet und nach einigen Sekunden damit zudeckt ,um den Sauerstoff zu reduzieren. Dadurch wird der weisse, unglasierte Ton schwarz. Das Holz fängt sofort Feuer. Dabei entsteht Rauch und Russ . Durch den Temperaturschock springt die Farbe, es entstehen Cracks. Auch diese färben sich schwarz. Es bilden sich die wildesten und doch geordnete Muster, die an Urgrossmutters Porzellan erinnern.
Nicht immer entspricht das Resultat den Vorstellungen, denn es bleibt immer eine Überraschung, was der Ofen hervorbringt.
Begleitet wird der ganze Vorgang von freudig gespannten Stimmen aus der Runde, Blicken von Zuschauern und herrlich duftendem, in den Augen beissendem Rauch!
Ein Duft, der noch lange Erinnerungen wach ruft, wenn man die Augen schliesst und seine selbst gemachten Werke an die Nase hält. Erinnerungen an drei wunderschöne Abende mit einem feinfühligen, uns in die Töpferkunst einführenden Stefan und einer Energie, wie sie nur aus einer Gruppe von Gleichgesinnten entsteht. Erinnerungen an Loslassen und die Freiheit Gefühlen Form zu geben.
Alle Kursteilnehmer sind stolz auf ihre Kunst! Alle sind stolz, Künstler zu sein und etwas erschaffen zu haben!
Das Interesse am kreativen Töpfern ist mitlerweile so gross, dass man den nächsten Kurs vielleicht in zwei Gruppen durchführen wird: voraussichtlich im Frühling 2006!
Ich möchte es nicht unterlassen, uns im Namen aller Beteiligten beim Hauswart Herrn Hottiger und der Lehrerschaft für das entgegengebrachte Verständnis zu bedanken.
Für das Abenteuer Raku
Marlise Lembo-Raschle
|