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  aktualisiert am:
  08 Oct 07



Informatik an der Primarschule
im Spiegel der Presse (Dorfblitz)

 



Früh übt sich ...
Quelle: Dorfblitz – Aus dem Dorfe (Original)
Die Primarschule Nürensdorf im Informatikzeitalter
Der Einsatz von Informatik ist vielfältig. Computer sind allgegenwärtig: In der Arbeitswelt kommt man nicht mehr ohne sie aus, in der Freizeit unterhalten sie uns und in der Schule wird mit ihnen gelernt. Der Dorf Blitz zu Besuch in der Primarschulstube im Schulhaus Sunnerai.
von Thomas Iseli

Ein ganz normaler Dienstagnachmittag im Schulhaus Sunnerai in Birchwil. Die Schüler von Thomas Stierli und Lydia Graf arbeiten an ihrem aktuellen Projekt über Märchen. Die vierte Klasse arbeitet gestaffelt. Einige Schüler kneten Szenen für ihr Märchen, andere fotografieren diese, und die dritte Gruppe sitzt vor dem Computer, um die Bilder für eine Märchenzeitung vorzubereiten. Informatik an der Primarschule?

Lernen, üben und kreativ arbeiten
Seit knapp fünf Jahren arbeiten Primarschüler im Sunnerai und im Ebnet mit Computern. "Wir haben keinen herkömmlichen Informatik-Unterricht, sondern nutzen die Computer als Hilfsmittel", erklärt Thomas Stierli, Klassenlehrer im Sunnerai und gleichzeitig Verantwortlicher für die Informatik der Primarschule Nürensdorf. Die Integration von Informatik in den Primarschulunterricht ist dreigeteilt, wobei der Computer fächerübergreifend in den Unterricht integriert wird. Erstens wird gelernt und geübt. Spezielle Lern- und Drillsoftware animiert die Kinder etwa zum Erlernen von Rechtschreibung, Mathematik oder anderen Fächern. Weiter wird mit den Computern kreativ gearbeitet. Wie im Märchenprojekt werden Bilder bearbeitet, Texte geschrieben und Blätter gestaltet. Im erwähnten Märchenprojekt stehen dabei die Fächer Deutsch und Gestalten im Vordergrund. Der Computer ist nur Vehikel für die spätere Präsentation der Schülerarbeiten. Bei der Arbeit mit dem Computer spielt auch die Informationsgewinnung eine Rolle. So recherchieren die Kinder beispielsweise mit Hilfe von Wissens-CD-ROMs interessante Themen. "Sogar Spiele durften wir einmal machen", erzählt mir ein von der Informatik begeisterter Viertklässler.

Internet demnächst
Seit 1999 die ersten Fünft- und Sechstklässler mit der Integration von Informatik in ihren Unterricht gestartet haben, hat sich in Nürensdorf viel verändert. Informatik in der Primarschule ist eine Möglichkeit, die von den Lehrern auch tatsächlich genutzt wird. Der Einsatz des Internets soll noch in diesem Jahr verwirklicht werden. "Vorläufig sind unsere Computer noch nicht vernetzt", sagt Stierli, "doch hoffentlich wird bereits nach den Sommerferien, nach dem Umbau im Sunnerai, unsere Schule ans Internet angehängt". Wie bekannt ist, stellt eine Schweizer Telekomfirma diesen Internetanschluss mit dem Projekt "Schulen ans Internet" der Schule gratis zur Verfügung. "Wir rechnen also nicht mit hohen Kosten", freut sich Stierli, so dass den Primarschülern schon bald das Internet zur Recherche zur Verfügung stehen dürfte.

Weiterbildung für Lehrkräfte
Rund drei Viertel aller Schweizer Primarschulen sind bereits mit Computern ausgerüstet. Die Frage ist nur, ob diese auch von allen Lehrern genutzt werden. Die Geräte allein garantieren dies nicht. Thomas Stierli ist überzeugt, dass die Rolle Nürensdorfs speziell ist: "Das Interesse an der Informatik ist gross, und die Lehrer haben das Bedürfnis, sich in diesem Bereich weiterzubilden." So erstaunt es nicht, dass die zehn mobilen iBooks beinahe immer eingesetzt werden, notabene am meisten durch Erstklässler. Diese unternehmen damit erste alphabetische Höhenflüge. Neben diesem freien Pool an Notebooks besitzt jede Klasse noch einige festinstallierte Stationen. In der vierten Klasse sind das vier iMacs. Die Lehrer sind in der Einbindung der Informatik in ihren Unterricht relativ frei.
Der Lehrplan gibt nur wenig vor. Das heisst konkret, dass sie selber entscheiden können, ob und wie sie Informatik einsetzen möchten. In Nürensdorf hat sich ein Gruppendruck entwickelt. "Die internen Weiterbildungskurse für die Primarlehrkräfte werden sehr gut besucht und sind willkommen", erklärt der begeisterte Thomas Stierli, der diese Kurse unterrichtet. Neben fachlichen Grundfertigkeiten werden in diesen Kursen hauptsächlich methodisch-didaktische Kenntnisse vermittelt. Den Lehrern werden Tipps und Hilfen gegeben, wie sie Projekte mit dem Einsatz von Mitteln der Informatik gestalten können.

"Es macht Spass"
Die Schüler sind fröhlich und zufrieden, wenn sie hinter den leuchtenden Scheiben sitzen. "Es macht einfach Spass und ist nicht langweilig", oder, "mir gefallen am meisten die Zeichnungsprogramme und Spiele", hört man die aufgestellten Kinder sagen. Der Lehrer, Thomas Stierli, begeistert die Schüler für den Unterricht mit Informatik: "Computer gehören zu unserem heutigen Leben, so sollen sie auch in den Unterricht der Kinder eingebunden werden". Die Informatik soll aber nicht herkömmliche Lehr- und Lernformen verdrängen. Vielmehr soll er zusammen mit diesen eine Bereicherung für die Schüler sein. Ausserdem sei der soziale Aspekt der Computerarbeit sehr hoch. Die Schüler sitzen bei Projekten oft zu zweit vor dem Bildschirm und können sich gegenseitig helfen. Beim Märchenprojekt war das nicht anders. Zuerst instruierte Stierli eine Gruppe von Schülern was genau zu tun ist, danach erklärten diese das ihren Mitschülern.

Auswirkungen auf die Oberstufe
Dass die Primarschüler bereits Informatikerfahrungen sammeln, wirkt sich auch auf den Informatikunterricht in der Oberstufe aus. Ruedi Bürki, Lehrer im Hatzenbühl, bestätigt: "Wir spüren, dass die Primarschüler bereits Informatikunterricht haben. Sie kennen viele Basics, die einem Anfänger fremd sind." So kommt die Oberstufe beim Unterricht am Anfang schneller voran. Doch sei es - wie bei allen Wissensbereichen - auch in der Informatik so, dass die Bandbreite der Kenntnisse gross sei. "Die einen wissen viel, andere wiederum wenig." Bei der heutigen Bedeutung von Computer und der Informatik allgemein ist es sicher ein Schritt in die richtige Richtung, wenn bereits die Primarschüler die Mittel und Methoden der modernen Technologien kennen lernen.









(mit freundlicher Genehmigung des Autors)