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  aktualisiert am:
  28 Jul 08



Huhn, Hahn und Küken

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Das Hühnchen, das goldene Eier legen wollte

Es waren einmal dreitausenddreihundertdreissig Hühner, die lebten auf einer Hühnerfarm in einem grossen Hühnerhaus. In der Luft war ein grosser Gestank von Hühnerdreck und Kraftfutter. Und am Boden war ein grosses Gedränge, denn jedes Huhn hatte gerade eben Platz für seine eigenen Füsse, aber nicht mehr. Den dreitausenddreihundertdreissig Hühnern ging es nicht gut. Viele hatten den Husten, und fast alle verloren Federn, besonders am Hals, weil sie aufeinander herumhackten, wenn ihnen wieder jemand auf die Füsse getreten war.

Die grossen Hühner legten ungefähr jeden Tag ein Ei. Und die kleinen Hühnchen warteten darauf dass sie irgendwann auch grosse Hühner sein würden um jeden Tag ein Ei zu legen. Und jeden Tag liess der Verwalter die Eier zählen, die seine dreitausenddreihundertdreissig Hühner gelegt hatten.

Unter den kleinen Hühnchen war eines, das sagte: „Wenn ich gross bin, dann will ich goldene Eier legen.“ „Hahahaha“ sagten die grossen Hühner. „Goldene Eier.“ Dann mussten sie husten. Hühnchen, weil es klein war und die Zeit zum Eierlegen noch nicht gekommen, sagte: „Aber zuerst lerne ich singen.“ „Das brauchst du gar nicht erst zu versuchen“, sagten die grossen Hühner. „Und ich versuche es doch“, sagte Hühnchen. Dann suchte es so lange im Hühnerhaus, bis es eine Stelle fand, wo es ein Loch scharren konnte.

Hühnchen scharrte und scharrte, bis das Loch gross genug war zum Durchschlüpfen. Das konnte es, weil es so klein war. Draussen war alles anders als im Hühnerhaus: überall war frische Luft, nirgends stank es nach Hühnerdreck und Kraftfutter. Und Hühnchen kam auf ein Weizenfeld, wo es herumrennen und scharren konnte, so viel es nur wollte. Jeden Tag machte Hühnchen das Loch ein bisschen grösser und ging hinaus aufs Weizenfeld, um zu singen. Es gackerte und gackerte, bis es eines Tages fand: „Jetzt habe ich genug geübt, jetzt kann ich singen.“

Und an diesem Tag war das Loch gross genug geworden für die grossen Hühner. Sie schlüpften alle ins Freie, eines nach dem anderen, dreitausenddreihundertdreissig Hühner. Und dann rannten sie aufs Weizenfeld und pickten und scharrten und gackerten voller Freude. „

„Das ist ja eine schöne Bescherung!“ sagte der Verwalter. Es waren immerhin dreitausenddreihundertdreissig Hühner, und als der Verwalter seine Leute schickte, um sie alle einzufangen, da rannten die Hühner hierhin und dahin, und es dauerte einen ganzen Tag, bis sie wieder eingesperrt waren. Und dann sassen sie in ihrem Hühnerhaus in ihrem Hühnergestank und rissen sich die Federn aus und husteten. Nur Hühnchen hatte keinen Husten. Und das Loch in der Ecke war zugestopft.

Da sagte Hühnchen wieder: „Wenn ich gross bin, will ich goldene Eier legen.“ „Hahahaha“, husteten die grossen Hühner. „Aber zuerst lerne ich schwimmen“, sagte Hühnchen. Das brauchst du gar nicht erst zu versuchen“, sagten die grossen Hühner. „ Ich versuche es doch“, sagte Hühnchen. Dann scharrte es wieder so lange, bis es das Loch auf gescharrt hatte, und ging hinaus aufs Weizenfeld und an den Ententeich und auf den Misthaufen. Das konnte es weil es so klein war. Es atmete die frische Luft und scharrte im frischen Boden und trank vom frischen Wasser, so viel es wollte. Und jeden Tag hielt es einmal seine Füsse ins Wasser. „ Für meinen Bauch ist das Wasser zu nass“, sagte es. Und dann kam der Tag, wo das Loch wieder gross genug war für die grossen Hühner. Sie rannten aufs Weizenfeld und an den Ententeich und pickten und scharrten und gackerten voller Freude.

„Das ist ja eine Unverschämtheit!“ sagte der Verwalter. Es waren immerhin dreitausenddreihundertdreissig Hühner, und als der Verwalter seine Leute schickte, um sie alle einzufangen, da rannten die Hühner hierhin und dahin, und es dauerte einen ganzen Tag, bis sie wieder eingesperrt waren. Und dann sassen sie in ihrem Hühnerhaus in ihrem Hühnergestank und rissen sich die Federn aus und husteten. Nur Hühnchen hatte keinen Husten. Und das Loch in der Ecke war zugestopft.

Da sagte Hühnchen wieder: „ Wenn ich gross bin, will ich goldene Eier legen.“ „Hahahaha“, husteten die grossen Hühner. „ Aber zuerst lerne ich fliegen“, sagte Hühnchen. „Das brauchst du gar nicht erst zu versuchen“, sagten die grossen Hühner. „Und ich versuche es doch“, sagte Hühnchen.

Dann scharrte es wieder so lange, bis es das Loch aufgescharrt hatte, und ging hinaus aufs Weizenfeld und an den Ententeich und auf den Misthaufen. Es atmete die frische Luft und trank vom frischen Wasser. Und jeden Tag sprang es vom Misthaufen in die Luft, so weit es nur konnte, und schlug dazu mit den Flügeln. Und dann kam der Tag, wo das Loch gross genug war für alle, und Hühnchen machte ein Gegacker und führte alle dreitausenddreihundertdreissig Hühner hinaus ins Freie, aufs Weizenfeld, an den Ententeich und auf den Misthaufen. Und es war ein grosses Fest.

Und als der Verwalter seine Leute schickte, und die Hühner wieder einzufangen, da konnten sie es nicht. Die dreitausenddreihundertdreissig Hühner rannten so schnell davon und hierhin und dahin und fanden immer neue Plätze, wo sie sich verstecken konnten, dass die Leute am Abend sagten: „ Heute schaffen wir dass nicht mehr. Wir machen morgen weiter.“ Am nächsten Tag ging es nicht anders, und am dritten Tag auch nicht, und so kam es, dass die Leute am Abend des dritten Tages zum Verwalter sagten: „Es sind dreitausenddreihundertdreissig Hühner, und es ist unmöglich, sie alle wieder einzufangen, wenn sie nicht wollen.“

„Das ist ja eine Katastrophe!“ sagte der Verwalter. „ Wir müssen doch Eier verkaufen.“
„Nein das ist keine Katastrophe!“ sagten die Leute. „ Wenn wir draussen einen grossen Hühnerhof für unsre dreitausenddreihundertdreissig Hühner bauen, dann ist alles in Ordnung.“ Und so wurde es gemacht. Von da an konnten die Hühner jeden Tag ins Freie gehen. Sie gackerten und scharrten und pickten, so viel sie wollten. Nachts schliefen sie auf Hühnerstangen im Haus. Bald wuchsen ihnen neue Federn, und keines hatte mehr den Husten.

In all der Zeit war Hühnchen so gross geworden wie die grossen Hühner, und eines Tages war es so weit, dass Hühnchen sein erstes Ei legte. Neugierig sahen die dreitausenddreihundertdreissig Hühner zu.

„ Jetzt wollen wir mal sehen, ob es ein goldenes Ei wird“, sagten sie.

Hühnchen sass am Boden und drückte sein erstes Ei heraus, und als es endlich da lag, war es ein schönes glattes helles braunes Ei. „ Siehst du“, sagten die Hühner, „ es ist doch kein goldenes Ei. Das brauchst du gar nicht erst zu versuchen .“Und was hat Hühnchen gemacht? Es hat sie alle ausgelacht. „ Habt ihr wirklich geglaubt, dass ein Huhn goldene Eier legen kann?“ hat es gesagt.